


Das Projekt Turning Points – Museums for a Democratic Future verbindet eine einzigartige grenzüberschreitende Partnerschaft zwischen dem Stadtmuseum Bratislava (MMB) und dem Volkskundemuseum Wien (VKM). Turning Points schafft eine Plattform für internationale Zusammenarbeit, den Austausch von Erfahrungen sowie die Entwicklung innovativer Ansätze zur Vermittlung von Geschichte an ein zeitgenössisches Publikum.
Ziel des Projekts ist es, die Rolle von Museen als aktive gesellschaftliche Akteure zu stärken – nicht nur als Bewahrer des kulturellen Erbes, sondern auch als Orte des Diskurses über aktuelle gesellschaftliche Themen, Identität und demokratische Werte.
Der zentrale Ansatz des gemeinsamen Projekts liegt in der Analyse jüngerer historischer Ereignisse und gesellschaftlicher Prozesse, die die Region geprägt haben. Im Fokus steht die Frage, wie sich Zivilgesellschaften entwickelt und gegenseitig beeinflusst haben. Durch die Untersuchung der slowakisch-österreichischen Beziehungen im postbipolaren Kontext (d. h. seit dem Fall des Eisernen Vorhangs) wird der komplexe Prozess der Entwicklung der Zivilgesellschaft in verschiedenen historischen Phasen aufgezeigt und die Bedeutung sowie die Anwendung demokratischer Werte in der Gesellschaft verdeutlicht.
Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts sind zudem bedeutende Investitionen in die Infrastruktur. In Bratislava entsteht eine neue Außenstelle des MMB im Bürgerhaus in der Beblavého 1, die auf die Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts ausgerichtet ist. In Wien wird ein ehemaliger ziviler Luftschutzbunker im Schönbornpark revitalisiert und künftig als Raum für öffentliche Veranstaltungen, Diskussionen und Bildungsaktivitäten genutzt.
Projektziele (und erwartete Ergebnisse):
Gesamte förderfähige Projektkosten: 2.840.895 EUR
Kofinanzierung aus EU-Mitteln: 2.272.716 EUR
Budget des Lead-Partners – MMB: 2.109.637 EUR/ Davon Beitrag aus EU-Mitteln 1.687.709 EUR
Budget des Projektpartners – VKM: 731.258 EUR/ Davon Beitrag aus EU-Mitteln 585.006,57 EUR
2.4.2026
Die Implementierung des Projekts Turning Points ist in vollem Gange, und bereits seit den ersten Tagen sind eine intensive Zusammenarbeit der Partnerorganisationen, ein hohes Arbeitsengagement der einzelnen Teams sowie – besonders wichtig – eine ausgezeichnete arbeitsbezogene und menschliche Chemie erkennbar. Obwohl das Projekt offiziell erst im Dezember 2025 gestartet ist, sind Tempo und sichtbarer Fortschritt bereits in dieser frühen Phase deutlich wahrnehmbar.
Zu den markantesten Meilensteinen zählten die Pressekonferenz (3.12.2025), die das Projekt symbolisch eröffnete, sowie das darauffolgende erste Kick-off-Treffen der Projektpartner (4.12.2025). Neben diesen „großen“ Momenten lebt das Projekt jedoch vor allem von der täglichen Zusammenarbeit an einzelnen Themen, der laufenden Abstimmung der Teams und dem schrittweisen Zusammensetzen des gesamten Projektmosaiks. Einen „Blick hinter die Kulissen“ – etwa in den Prozess der Erarbeitung der Kommunikationsstrategie und in die Teamarbeit – bieten Fotografien von Arbeitstreffen, die dokumentieren, wie das Projekt Turning Points Schritt für Schritt Gestalt annimmt.
18.8.2026
Obwohl der Sommer traditionell die Zeit für Urlaub und Erholung ist, herrscht beim Projekt Turning Points – Museums for a Democratic Future alles andere als Stillstand. Auch während der Sommerhitze wurde auf beiden Seiten der Grenze intensiv gearbeitet – auf den Baustellen, in der Forschung, bei der Vorbereitung von Bildungsaktivitäten und beim Ausbau der internationalen Zusammenarbeit. Was vor einem Jahr noch eine Vision auf dem Papier war, nimmt heute Schritt für Schritt konkrete Gestalt an.
Einer der sichtbarsten Meilensteine des Projekts ist der Beginn der Sanierung der neuen Außenstelle des Múzeum mesta Bratislavy (Stadtmuseum Bratislava) in der Beblavého-Straße in Bratislava. Die Bauarbeiten sind mittlerweile in vollem Gange und das Gebäude wird schrittweise zu einem modernen Museum umgestaltet, das Geschichte mit aktuellen gesellschaftlichen Themen verbinden wird.
Bei einer solchen Sanierung geht es jedoch um weit mehr als nur um Bauarbeiten. Jedes Detail erfordert eine fachliche Beurteilung, Respekt vor den historischen Werten des Gebäudes und eine enge Zusammenarbeit zwischen Denkmalpfleger:innen, Planer:innen, Handwerker:innen und Museumsfachleuten. Eine von vielen fachlichen Abstimmungen war beispielsweise die Diskussion zwischen dem Fensterbauer und Frau Falbova, einer Expertin des regionalen Denkmalamtes über die Profile der neuen Fenster, damit diese sensibel an den ursprünglichen Charakter des Gebäudes anknüpfen. Gerade solche Entscheidungen zeigen, dass eine qualitätsvolle Sanierung historischer Gebäude durch Dialog und die gemeinsame Suche nach den bestmöglichen Lösungen entsteht.

Der Sommer brachte auch weitere wichtige Neuigkeiten: Die Projektteams werden nach und nach vervollständigt. Im Volkskundemuseum Wien ist das Projektteam mittlerweile vollständig aufgestellt.
Aktiv am Projekt beteiligt sind Ľubica Voľanská, die zugleich den Forschungsbereich betreut, sowie Thomas Trabitsch, der für Vermittlung und Kommunikation zuständig ist. Seit Juli verstärken zwei neue Kolleginnen das Team: Lydia Knöbl, die das Projekt dokumentiert, und Daria Sander, die für die Umsetzung der Vermittlungs- und Partizipationsformate verantwortlich ist.
Gemeinsam mit den Kolleg:innen des Múzeum mesta Bratislavy entsteht so eine starke slowakisch-österreichische Partnerschaft, die auf fachlicher Expertise, gegenseitigem Lernen und einer gemeinsamen Vision des Museums als Raum für Dialog basiert.
Im Sommer wurde Turning Points auch der nächsten Generation von Museumsfachleuten vorgestellt. Im Rahmen des Museum Camp – Summer School Europäische Ethnologie, organisiert vom Volkskundemuseum Wien, besuchten die Teilnehmer:innen Projektstandorte in Wien und Bratislava.
Studierende verschiedener österreichischer Universitäten besichtigten den Luftschutzbunker im Schönbornpark, in dem im Rahmen des Projekts neue multifunktionelle Räumlichkeiten entstehen, nahmen an einer Führung durch die Baustelle des Hauptgebäudes des Volkskundemuseum Wien teil und besuchten anschließend auch Bratislava.
Im Múzeum mesta Bratislavy stellte ihnen die fachliche Projektleiterin Nina de Gelder das Projekt Turning Points vor. Anschließend diskutierten die Teilnehmer:innen gemeinsam darüber, wie Museen auf gesellschaftliche Herausforderungen reagieren, mit sensiblen historischen Themen umgehen und Demokratie, zivilgesellschaftliches Engagement und kritisches Denken fördern können. Gemeinsam gingen sie der Frage nach, welche Rolle Museen in Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen spielen können und wie sie historische Erinnerung mit der Gegenwart verbinden können.

Im Rahmen des Projekts wird die Umgestaltung des Luftschutzbunkers im Schönbornpark zu einem vielseitig nutzbaren öffentlichen Raum weiter vorangetrieben. Das Team von Turning Points sucht diesbezüglich den Dialog mit Bunkerexpert:innen, geht den gegenwärtigen Nutzungen ähnlicher, ehemaliger Kriegsbauten nach und sondiert gemeinsam mit dem Museumsteam, wofür sich dieser ungewöhnliche Raum eignet und wofür nicht.
Im Sommer war das Team am 6. und 11. August vor Ort, um vor dem Umbau noch einmal die Türen des Bunkers zu öffnen. Neugierige hatten die Möglichkeit, sich das Innere des oft übersehenen, historisch aufgeladenen Gebäudes anzuschauen, sich über seine Geschichte zu informieren und eigene Ideen für die zukünftige Verwendung einzubringen.
Die Teilnehmer:innen brachten an unterschiedlichen, partizipativen Stationen ihre Vorschläge ein und äußerten sich zur inhaltlichen Schwerpunktsetzung. Dies geschah in Form von gezeichneten Plänen, gesprochenen Wortbeiträgen, Abstimmungen und geschriebenen Rückmeldungen. Die Ideen waren sehr vielfältig – von einem Gedenkort über einen Tischtennisplatz oder eine Indoor-Spielhalle für Kinder bis hin zu einem Hotel für gestresste Menschen und einem nicht-kommerziellen Ort, an dem man sich im Sommer abkühlen oder im Winter aufwärmen könnte. Die Besucher:innen haben dabei viele aktuelle Themen angesprochen, wie die Klimakrise, die Notwendigkeit, sich an undemokratische Regime zu erinnern, die in Kriege führten, andererseits thematisierten sie auch Faktoren des Wohlbefindens und digitalen Detox.
Der Baubeginn zur Adaptierung ist für den Herbst 2026 geplant.
Am 12. August traf sich das Team „Turning Points“ des Volkskundemuseum mit Kolleg*innen von der Wirtschafts- und Sozialgeschichte (Universität Wien), dem Institut für Geschichte des ländlichen Raumes (St. Pölten) und dem Institut für Ethnologie der CAS (Brno) zusammen, um über einen gemeinsamen Aufruf zur Sammlung lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen aus der österreichisch-slowakischen bzw. tschechischen Grenzregionen mit dem Arbeitstitel „Auf der anderen Seite. Lebensgeschichten einer Grenze im Wandel” nachzudenken.
Der Aufruf soll bewusst etwas über den (kürzeren) Untersuchungszeitraum von „Turning Points” hinausgehen: Die Zeitspanne soll schon ab etwa 1970 beginnen, um auch Erfahrungen mit der zunehmend befestigten Grenze, Familien- und Nachbarschaftsgeschichten vor 1989 sowie längerfristige Veränderungen und Zusammenhänge sichtbar zu machen. Der zentrale Fokus liegt auf Texten, die die biografisch erlebte Wendepunkte oder individuelle Erinnerungen mit persönlichen Objekten, die mit gesellschaftlichen Umbrüchen einhergehen, verbinden.
Das Ergebnis der Aktion, die im Herbst 2026 beginnt und bis zum Frühjahr 2027 dauert, wird eine Sammlung schriftlicher Quellen sein, die einen Vergleich der Situation auf beiden Seiten der Grenze in drei Ländern ermöglichen.

Wie kann ein Museumsbesuch Neugier wecken, kritisches Denken fördern und Diskussionen über Themen anstoßen, die unsere Gesellschaft prägen? Antworten auf diese Fragen wollen wir gemeinsam beim interaktiven Treffen „Von der Schule ins Museum“ finden, das das Bildungsteam des Múzeum mesta Bratislavy für Pädagog:innen vorbereitet.
Den Teilnehmer:innen stellen wir unser aktuelles Angebot an Bildungsprogrammen für Schulen vor und zeigen, wie ein Museum zu einem lebendigen Ort für erfahrungsorientiertes Lernen, Entdecken und offenen Dialog werden kann. Teil des Treffens ist auch die Vorstellung der Möglichkeiten für weiterführende Schulen, sich am internationalen Projekt Turning Points – Museums for a Democratic Future zu beteiligen, das vom Múzeum mesta Bratislavy und dem Volkskundemuseum Wien gemeinsam im Rahmen des Programms Interreg Slowakei – Österreich umgesetzt wird.
Dabei soll es nicht nur bei einer Präsentation bleiben. Die Pädagog:innen können ausgewählte Aktivitäten direkt in der Ausstellung Rodinné skutočnosti (Die familiären Umstände) ausprobieren. In den Workshops Kto tvorí mesto? (Wer prägt die Stadt?) und Zrkadlo generácií (Spiegel der Generationen) erleben sie selbst, wie wir gemeinsam mit jungen Menschen Themen wie Stadt, Identität, Familie, Erinnerung und Geschichte aufgreifen. Ziel ist es, Inspiration dafür zu geben, wie Museumssammlungen und Geschichten genutzt werden können, um kritisches Denken, Empathie und aktive Bürgerschaft zu fördern.
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos, die Zahl der Plätze ist jedoch begrenzt.
Ihren Platz können Sie über das Anmeldeformular reservieren: Anmeldeformular
Bei Fragen erreichen Sie uns unter zuzana.zahradnickova@mmb.sk
Genießen Sie den Sommer!
Pressekonferenz 3.12.2025
